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Gira und Nachhaltigkeit
Report 2017

Das digital vernetzte, intelligente Zuhause, das „Smart Home“, ist längst keine Vision mehr, sondern inzwischen vielfach gebaute Realität – Tendenz steigend. Und die faszinierenden Möglichkeiten, die die digitale Steuerung der Haustechnik bietet, finden immer mehr Interessenten: 25-mal so häufig wie noch vor fünf Jahren wird heute der Begriff „Smart Home“ über die Suchmaschine Google gesucht.1 Dennoch ist das „intelligente Heim“ nach wie vor kein Massenphänomen – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Zeit für eine Momentaufnahme, die der Frage nachgeht: Wo steht das „Smart Home“ heute?

Die Heizung schon auf dem Heimweg aufdrehen, die HiFi-Anlage per Sprachsteuerung bedienen, von unterwegs sehen, wer gerade an der Haustür geklingelt hat: Was vor nicht allzu langer Zeit noch nach wilder Fiktion klang, ist heute technisch ohne weiteres machbar. Dabei geht es nicht nur um die Fernsteuerung bestimmter haustechnischer Funktionen per Smartphone, sondern auch um künstliche Intelligenz (KI) in den eigenen vier Wänden. Dank selbstlernender Algorithmen ist sie bereits so weit, dass Geräte und Anlagen – ähnlich wie im selbstfahrenden Auto – eigene Entscheidungen treffen können: etwa die Beleuchtungsstärke in einem Raum zu reduzieren, wenn dort der Tageslichteintrag zunimmt. Was also macht ein Haus oder eine Wohnung tatsächlich intelligent?

Aufklärungsarbeit tut not Schauen wir uns einfach einmal die gebaute Wirklichkeit an. Die aktuell prominentesten Anwendungen im intelligenten Zuhause sind mit Sensorik versehene, automatisiert gesteuerte Heizungen, Lüftungen, Türschlosssysteme, Fenster, Markisen, Jalousien und Beleuchtungssysteme. Dies deckt sich mit der „Smart Home“-Definition als ein „informations- und sensortechnisch aufgerüstetes, in sich selbst und nach außen hin vernetztes Zuhause“ 2, wie sie das „Gabler Wirtschaftslexikon“ anbietet. Aber macht die Möglichkeit, um ein praktisches Beispiel zu nehmen, das heimische Dusch-WC über eine Smartphone-App zu bedienen und dort voreingestellte Programme abzurufen, das Produkt schon „smart“? Oder können wir ihm erst eine gewisse Intelligenz zuschreiben, wenn es über in die Keramik eingebrannte Sensoren den Verschmutzungsgrad erkennt und das Spülvolumen entsprechend anpasst? Die Fragen zeigen: Eine klare Differenzierung, was sich „smart“ nennen darf und was nicht, gibt es derzeit nicht. „Dass heute das schmucke Etikett ‚Smart Home’ an vielen technischen Spielereien klebt, die keinen echten Beitrag zur abgestimmten Vernetzung des Hauses leisten und wenig Mehrwerte liefern, sorgt bei vielen Verbrauchern für Unsicherheit und Zurückhaltung“, sagt Gira Geschäftsführer Christian Feltgen, um das Unternehmen in die Pflicht zu nehmen: „Wir müssen bessere Aufklärungsarbeit machen.“ Um den Menschen die Vorteile eines „Smart Home“ näher zu bringen, sind transparente, einfach nachvollziehbare Erläuterungen und Hilfestellungen von großer Bedeutung. Aktuell gehen Anbieter laut Befragungen zu sehr auf technische Möglichkeiten und Features, aber zu wenig auf bestehende Wünsche und Fragen ein.

84 %

der 18-29-Jährigen
findet das Thema
vernetztes Wohnen
sehr interessant.

 

 

 

62 %

der 45-59-Jährigen
halten die
Energiekosteneinsparung
für den entscheidenden
Vorteil von Smart Homes.

„Smart Home“ liegt im Trend Tatsächlich fühlen sich in Deutschland nur neun Prozent der Menschen gut über den Techniktrend „Smart Home“ informiert, obwohl neun von zehn Menschen den Begriff kennen. Dabei halten 84 Prozent der 18-29-Jährigen hierzulande vernetztes Wohnen für interessant oder sehr interessant; in der Gruppe der über 50-Jährigen sind es mit 51 Prozent immerhin noch mehr als die Hälfte.3 Dass sich „Smart Home“-Lösungen langfristig durchsetzen und zukünftig im Umgang so selbstverständlich wie Smartphones werden, davon sind bereits jetzt knapp zwei Drittel zwischen Flensburg und Mittenwald überzeugt.4

Doch was kann was, und wer kann mit wem? Doch bis dahin gilt es, bei den Verbrauchern Klarheit zu schaffen, worin der praktische Nutzen intelligent vernetzter Haustechnik besteht und worauf zu achten ist, wenn man sich für eine „Smart Home“-Lösung entscheidet. Erschwert wird dies nicht nur durch die schon beschriebene unklare Begrifflichkeit, sondern auch durch einen unübersichtlichen Markt, auf den aus vielen Richtungen immer neue Anbieter mit mehr oder weniger vernetzbaren Geräten drängen. Welches Gerät was kann, welche Anwendungen mit anderen vernetzbar sind und wie die Einbindung in eine übergeordnete Steuerung funktioniert, ist nicht immer offensichtlich. Dies gilt umso mehr, als es eine Vielzahl vermeintlich smarter Einzelprodukte gibt, von denen jedes wieder eine je eigene Art und ein eigenes Werkzeug der Bedienung hat. Anstelle positiver Nutzererlebnisse überwiegt dann beim Anwender angesichts dieses unübersichtlichen Bedien-Dickichts schnell das Gefühl eigener Unzulänglichkeit und Überforderung im Umgang mit der „neuen“ Technik.

52 %

der 30-44-Jährigen
halten die erhöhte
Sicherheit für das
wichtigste Smart-Home-
Argument.

 

 

39 %

der 18-29-Jährigen
finden Smart Homes
schlichtweg „cool“.

WAS VERSTEHEN WIR UNTER NACHHALTIGKEIT?

Komplexe Systeme handhabbar machen Tatsächlich spielen solch negative Erlebnisse oder entsprechende Befürchtungen bei den 20 Prozent der Bevölkerung, die ein intelligent vernetztes Zuhauses prinzipiell ablehnen, eine wichtige Rolle. Sie argumentieren mit einer zu starken Abhängigkeit von Technologien im Alltag oder dem Verlust der Eigenständigkeit in den eigenen vier Wänden und üben grundsätzlich Kritik an der zunehmenden Digitalisierung.5 „Es werden hier nur die Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein, denen es gelingt, die komplexen Systeme digital vernetzter Gebäudesteuerung sowohl für den Installateur als auch für den Anwender einfach handhabbar und intuitiv bedienbar zu machen. Und die es schaffen, die unterschiedlichen Kommunikationswege und ‚Sprachen’ der verschiedenen Gewerke der Haustechnik so zu beherrschen, dass eine problemlose Kommunikation zwischen ihnen möglich ist“, betont denn auch Christian Feltgen und begründet damit, warum die heute sehr präsenten Insellösungen aus seiner Sicht kaum eine Zukunft haben.

Mehr Energieeffizienz Noch wichtiger für die Akzeptanz von „Smart Home“-Lösungen beim Verbraucher ist freilich der konkrete Nutzen, den sie stiften. So würden sich 62 Prozent der 45- bis 59-Jährigen in Deutschland ein „Smart Home“ einrichten, wenn dies Einsparungen bei den Energiekosten mit sich bringt. Die Einsparpotentiale bei den Heizkosten liegen mit einer intelligenten Haustechniksteuerung nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für Bauphysik bei bis zu 40 Prozent. Das ist jedoch sicher der Idealfall und nicht allgemeingültig.6 Die Beleuchtung, deren Stärke sich nach dem Tageslichteintrag selbst reguliert, oder die Heizung, die die Zimmertemperatur abhängig von der Außentemperatur und der Anwesenheit der Bewohner hoch- oder herunterfährt, können dazu beitragen, die Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden zu verbessern. Dasselbe gilt für ein Smart Meter, einen intelligenten Stromzähler, der Strom selbstständig zu den günstigsten Zeiten bezieht. Andererseits kann sich beispielsweise durch stromintensive Bediengeräte der Verbrauch auch wieder erhöhen. Wie die Einsparungen in einem „Smart Home“ im Einzelfall tatsächlich ausfallen, hängt von mehreren Faktoren ab: So spielen individuelles Wärmeempfinden und Verbrauchsverhalten der Bewohner, aber auch die Bausubstanz und die Lage des Gebäudes eine große Rolle.7

Mehr Sicherheit Ein Mehr an Sicherheit ist ein weiteres Argument, das für mehr als die Hälfte der 30- bis 44-Jährigen für ein vernetztes Eigenheim spricht.8 Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich daher automatisierte Sicherheitstechniken wie etwa Bewegungsmelder, die bei Auslösen Informationen an den Inhaber senden, oder umfassende Alarmsysteme. Ebenso wächst das Interesse an vernetzter Sicherheitstechnik, die in ein System eingebunden werden können, hier vor allem an Rauch-, Gas-, CO₂- und Leckagen-Warnmeldern.

20 %

der Bevölkerung lehnen
Smart Homes ab.

 

92 %

sehen die Zukunft des
Smart Homes im
altersgerechten
Assitenzsystemen für
Zuhause.

 

40 %

weniger Energiekosten
erscheinen im Idealfall
durch eine intelligente
Haussteuerunng möglich.

Assistenzsysteme für selbstbestimmtes Leben Weiteres Nutzenpotential von „Smart Home“-Lösungen sehen die Endverbraucher in Deutschland in der Sicherung eines selbstbestimmten Lebens im eigenen Zuhause bis ins hohe Alter hinein. 92 Prozent von ihnen können smarten, altersgerechten Assistenzsystemen für die eigenen vier Wände etwas abgewinnen. Die Palette entsprechender Produkte beginnt bei der per Bewegungsmelder automatisch gesteuerten Orientierungsbeleuchtung, die den nächtlichen Gang ins Bad sicherer macht, und reicht bis zum tragbaren Funksender, der gesundheitliche Notfallsituationen mittels einer Pulsmessfunktion erkennt und selbsttätig Rettungskräfte alarmiert. Allerdings kann in diesem Bereich des sogenannten Ambient Assisted Living auch die intelligenteste Technik nie persönliche Fürsorge ersetzen, insbesondere wenn es um Patienten oder Pflegebedürftige geht. Wohl wird sie aber den Menschen deutlich mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Selbstverständlich gilt es in diesem Zusammenhang, unwirksamen oder unethischen Eingriffen in die Privatsphäre von vorneherein vorzubeugen.

Im Dienst des Nutzers Den Massenmarkt werden „Smart Home“-Lösungen aber erst dann erreichen, wenn sie für viele eine erschwingliche Investition darstellen. Dies setzt zum einen voraus, dass in absehbarer Zeit „Good – Better – Best“-Lösungen zu entsprechenden Preispunkten, aber auch mit unterschiedlichen Leistungspaketen im Angebot sind. Zum zweiten müssen sowohl Hard- als auch Software grundsätzlich updatefähig sein, sodass sich ohne großen Aufwand neue Funktionen integrieren lassen. „Für den Kunden ist nur so gewährleistet, dass seine Investition in ein entsprechendes System auch in Zukunft Bestand hat“, erklärt Christian Feltgen. Und dass die Sicherheit der eigenen Daten und der Schutz vor unerlaubten Zugriffen von außen zügig auf dem neusten Stand sind. Am besten durch eine voll verschlüsselte Datenübertragung und ein Gewerke übergreifendes Sicherheitskonzept, das alle Netzwerkgeräte und Server im Haus umfasst. „Dies entspricht unserem Ansatz, dass sich ein gutes ‚Smart Home’-System nach dem Nutzer richtet und in dessen Dienst steht“, hebt Christian Feltgen hervor. „Dazu gehört auch, dass der Nutzer in jedem Moment die Freiheit hat, selbst zu entscheiden, wie smart er es denn persönlich zu Hause haben möchte. Sprich: Es ist der Nutzer, der bestimmt, wieviel Kontrolle er abgibt. Die Antworten darauf werden unterschiedlich ausfallen, doch ungewollter Kontrollverlust sorgt sicher bei niemandem für positive Nutzererlebnisse.“

QUELLEN
 

1
www.intelligenteswohnen.com


2
wirtschaftslexikon.gabler.de


3
de.statista.com


4
de.statista.com


5
de.statista.com


6
www.focus.de


7
www.verbraucherzentrale.de


8
GfK: „Consumer Life“,
2016 – erschienen in:
„Tech Trends 2017“,
GfK 03/2017 (Werte für
Deutschland)

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